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Anzeige wegen Beleidigung - die strafrechtliche Folgen

Das Tatbestandsmerkmal einer Beleidung ist schwieriger festzustellen, als andere Straftaten, bei den ein Schaden eindeutig zu erkennen ist. Bei Raubüberfällen oder Körperverletzungen wird der Geschädigte in eine nachteilige Position versetzt, sodass unmittelbar ersichtlich ist, dass eine Straftat vorliegt. Beleidigungen hingegen bieten einen großen Interpretationsfreiraum.
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Die Verletzung der menschlichen Würde mittels einer Beleidigung ist somit nicht objektiv messbar. Was für den einen als freie Meinungsäußerung durchgeht, stellt für den anderen eine schwerwiegende Verletzung der persönlichen Ehre dar. Trotz der Komplikationen beim Bestimmen eines solchen Straftatbestands, können Verleumdung, üble Nachrede und auch einfache Beleidigungen zu verschiedenen Strafen führen. Mit welchen Strafen in derartigen Fällen gerechnet werden muss, ab wann eine solche Straftat bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden kann und was im Umgang mit diesem Thema grundsätzlich beachtet werden sollte, erfahren Sie hier.

Wann ist eine Beleidigung strafbar ?

Laut Strafgesetzbuch, in dem alle Delikte geregelt sind, die vor unserem Gesetz strafrechtlich geahndet werden, wird zwischen drei wesentlichen Straftatbeständen unterschieden: Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede. Diese drei Deliktsformen werden nachstehend kurz näher erläutert:

Beleidigung

Bei der „einfachen“ Beleidigung geht das Gesetz von herabsetzenden Werturteilen aus, die darauf abzielen, die Ehre eines Menschen zu verletzen und ihn zu kränken. Ein besonderes Merkmal der Beleidigung ist, dass diese dem Geschädigten gegenüber direkt ausgesprochen wird. Die unmittelbare Ansprache ist hierbei entscheidend. Beleidigungen erfolgen somit meist aus dem Affekt heraus.

üble Nachrede

Bei diesem Delikt werden Behauptungen über unbewiesene Tatsachen aufgestellt und verbreitet, die der öffentlichen Meinung und dem gesellschaftlichen Ansehen des Betroffenen schaden sollen. In einem solchen Fall erfolgt die Straftat nicht unmittelbar gegenüber dem Betroffenen, sondern wird gezielt in seinem Umfeld oder Bekanntenkreis gestreut. Üble Nachreden können sowohl mündlich als auch in schriftlicher Form (beispielsweise im Internet auf sozialen Plattformen, Foren oder Websites) begangen werden.

Verleumdung

Verleumdungen gelten als schwerwiegendere Form der üblen Nachrede. Unter diesen Straftatbestand fällt die wissentliche Aufstellung von falschen Behauptungen und Tatsachen, die den Betroffenen in der Gesellschaft entwürdigen sollen. Klassische Beispiele für Verleumdungen sind frei erfundene Vergewaltigung­svorwürfe, die darauf abzielen, den Ruf des Betroffenen weitestgehend zu zerstören. Derartige Verleumdungen können das Leben Betroffener stark beeinträchtigen, zu seelischen Belastungen, psychischen Erkrankungen und Existenzgefährdungen führen. Bei der Verbreitung falscher Tatsachen auf öffentlichen Versammlungen oder in Schriftform, können diese mit schweren Strafen geahndet werden.

Alle drei vorgenannten Delikte können zur Anzeige gebracht werden. Die Polizei ermittelt in dem Sachverhalt und teilt ihre Ergebnisse der zuständigen Staatsanwaltschaft mit. Diese entscheidet sodann, je nach Schwere des Delikts und unter Berücksichtigung der polizeilichen Ermittlungen, ob ein Verfahren eröffnet werden soll oder die Angelegenheit fallen gelassen wird. Ein Strafantrag des Geschädigten ist jedoch Voraussetzung der Aufnahme einer strafrechtlichen Verfolgung.

Strafrechtliche Folgen

Grundsätzlich ist die Bestrafung von der Schwere der Tat und deren Auswirkungen auf den Geschädigten abhängig. Zu beachten ist hierbei ausdrücklich, dass nur dann eine tatsächliche Bestrafung erfolgen kann, wenn der Täter als solcher identifiziert, also für schuldig erklärt wird. Potenzielle Täter werden nur ungern selbst gestehen, eine Straftat begangen zu haben. Für den Geschädigten ist es daher von Vorteil, wenn dieser zum Beweis der Schuld des Täters einen Zeugen benennen kann, der die Straftat beobachtet haben könnte. Zeugen spielen bei der Feststellung der Schuld stets eine entscheidende Rolle. So kann die gewissenhafte und überzeugende Aussage eines Zeugens auch in Strafdelikten jeglicher Art im Zweifel über den Ausgang des gesamten Prozesses entscheiden.

Grundsätzlich können Beleidigungsdelikte mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Ist die feindliche Äußerung mit einer Tätlichkeit einhergegangen (hierzu zählen körperliche Übergriffe wie Ohrfeigen oder Schubsen), so fällt das Strafmaß durchaus deutlich höher aus.

Geldstrafe

Einfache Beleidigungen werden im Regelfall mit Geldstrafen bestraft. Hierbei werden dem Täter zu zahlende Tagessätze auferlegt, die dieser binnen einer genannten Frist zu begleichen hat. Ähnlich verhält es sich auch mit Delikten, die üblen Nachreden unterzuordnen sind.

Freiheitsstrafe

In Härtefällen kann auch eine Beleidigung mit Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr geahndet werden. Dies kommt in der Praxis jedoch äußerst selten vor. Auch üble Nachreden werden mit einer maximalen Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft. Verleumdungsdelikte hingegen gelten als schwere Straftaten. Hierbei können Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren drohen. Besonders hoch fällt das Strafmaß aus, wenn die Verleumdungen öffentlich in weitem Kreise verbreitet worden sind.

Anzeige wegen Beleidigung - die strafrechtliche Folgen
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