EXPERTENTIPP

Die arbeitsbezogenen Rechte von Azubis in Deutschland

Nicht nur festangestellte Arbeitnehmer haben Rechte und Pflichten. Auch bei einem Azubi muss der Arbeitgeber darauf achten, was er ihm zumuten darf und wo er eine Grenze übertritt. Die Rechte eines Auszubildenden sind ein fester Bestandteil im deutschen Arbeitsrecht. Die Bestimmungen sind auf mehrere gesetzliche Grundlagen verteilt. Hierzu zählen das Berufsbildungsgesetz (BBiG), das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Handwerksordnungen und die Ausbilder-Eignungsverordnung.
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Welche Rechte haben Auszubildende nach dem Arbeits­recht?

Der Auszubildende stellt dem Arbeitgeber seine Arbeitskraft zur Verfügung. Dafür hat er gemäß dem Berufsbildungsgesetz Anspruch auf eine angemessene Entlohnung. Der Arbeitgeber muss dafür Sorge tragen, dass der Auszubildende bei seiner Arbeit entsprechend angeleitet wird. Ein Auszubildender darf darauf bestehen, dass er von einem fachlichen qualifizierten Mitarbeiter betreut wird.

Ein Azubi kann das Ausbildungsverhältnis kündigen. Dabei ist abzugrenzen, ob sich der Auszubildende noch in der Probezeit befindet oder nicht. In der Probezeit braucht der Auszubildende keine Kündigungsfrist einzuhalten (§ 22 BBiG). Nach der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis vom Auszubildenden mit einer Frist von 4 Wochen gekündigt werden. Einen Grund muss der Auszubildende nicht nennen, aber zwei Pflichten werden ihm trotzdem auferlegt: Er muss die Kündigung schriftlich abfassen und er muss dafür sorgen, dass sein Arbeitgeber die Kündigung pünktlich erhält.

Der Arbeitgeber muss dem Auszubildenden die Arbeitsmittel, die er für seine tägliche Arbeit braucht, kostenlos zur Verfügung stellen.

Der Azubi hat nach Beendigung der Ausbildung ein Recht auf eine Beurteilung. Dieses Zeugnis kann entweder ein einfaches Zeugnis oder ein qualifiziertes Zeugnis sein. Die Entscheidung liegt in diesem Fall beim Auszubildenden. Wichtig ist, dass das Zeugnis – ähnlich wie das Arbeitszeugnis bei einem festangestellten Arbeitnehmer – keine negativen Aussagen enthalten darf.

Welche Sonderregelungen gibt es bei den Rechten von Auszubildenden im Vergleich zu Angestellten?

Hinsichtlich der Arbeitszeit unterliegen Auszubildende einem erhöhten Schutz. Sie dürfen nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten. Die Beschäftigungszeit pro Woche darf vierzig Stunden nicht übersteigen. Auszubildende dürfen demnach nicht zu Überstunden eingesetzt werden. Sie dürfen diese aber freiwillig leisten.

Auch zu den Sonderregelungen gehört, dass der Arbeitgeber den Auszubildenden auf dessen Weg das Ausbildungsziel zu erreichen mit keinen Aufgaben betraut, die mit seiner Ausbildung nichts zu tun haben. Er darf ihn z.B. nicht in ein Geschäft schicken, um dort einen privaten Einkauf für ihn zu erledigen.

Andererseits ist der Arbeitgeber aber dazu verpflichtet, den Auszubildenden für Maßnahmen von der Arbeit freizustellen, die ihn dabei unterstützen, sein Ausbildungsziel zu erreichen. Hierzu zählen beispielsweise der Berufsschulunterricht oder von der Schule organisierte Unternehmungen, wie z.B. die Besichtigung eines anderen Betriebes während der Arbeitszeit.

Wenn im Betrieb genügend Auszubildende sind, haben sie das Recht, eine Vertretung zu wählen, die ihre Interessen vor dem Arbeitgeber wahrnimmt. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz müssen dafür mindestens fünf Auszubildende in dem Unternehmen arbeiten, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

12.09.2019
Die arbeitsbezogenen Rechte von Azubis in Deutschland
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