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Umgangsrecht in Deutschland - Wann und wie oft darf ich mein Kind sehen?

Durch die Trennung oder bei Scheidung eines Elternpaares, kommt es unweigerlich dazu, dass der Sprössling nicht bei beiden Elternteilen gleichzeitig sein kann. Für viele bedeutet es, dass sie ihren Nachwuchs seltener sehen können und manche müssen sogar um ihr Umgangsrecht kämpfen, da der Andere dieses zu verhindern sucht.
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Wann hat man Umgangs­recht?

Für das Kindeswohl ist es in der Regel wichtig den Kontakt zu beiden Elternteilen zu pflegen. Es ist das Kindesrecht, mit beiden Elternteilen Umgang zu haben. Für die Eltern gilt, dass sie nicht nur umgangsberechtigt, sondern auch umgangsverpflichtet sind. Die Häufigkeit der Treffen und ob das Kind beim umgangsberechtigten Elternteil übernachten darf, müssen die Eltern unter sich ausmachen. Im besten Falle verläuft dieses ohne Streitigkeiten, doch nicht selten versucht ein Elternteil den Umgang zum anderen Elternteil zu unterbinden. Im Fokus der Vereinbarungen steht immer das Kindeswohl. Zu berücksichtigen sind auch das Alter des Kindes ebenso wie die Stärke der Bindung an seine Hauptbezugsperson. Auch die Distanz zwischen den Wohnorten beider Elternteile darf nicht außer Acht gelassen werden. Je jünger der Nachwuchs, desto wichtiger sind kürzere, dafür aber häufigere Kontakte zum umgangsberechtigten Elternteil. Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Besuche einen festen Rhythmus und eine klare Struktur haben. Flexibilität ist in dieser Hinsicht nicht gut für die Psyche des Kindes, da Ordnung und Struktur Sicherheit vermitteln und wichtig sind für die gesunde Entwicklung der jungen Persönlichkeit. Mit Umgangsrecht ist nicht zwingend der persönliche Kontakt gemeint, sondern auch der Kontakt z.B. per Brief, Telefon, Video-Messenger, E-Mail usw.

Wann hat man kein Umgangs­recht?

Besteht eine Gefährdung des Kindeswohls, kann das Umgangsrecht durch das Familiengericht untersagt werden. Dabei reicht es aber nicht, wenn sich die Eltern ständig streiten oder der Sprössling auf eigenen Wunsch den Kontakt zum umgangsberechtigten Elternteil vernachlässigen will. Erst Gefahren, wie eine drohende Kindesentführung oder Gewalttätigkeit gegenüber dem Nachwuchs, sind laut Gesetz eine Gefährdung für das Kindeswohl. Will der Minderjährige unter keinen Umständen den einen Elternteil sehen, kann dies auch zu einem Umgangsverbot führen. Für den Elternteil, bei dem der Nachwuchs lebt, gilt es nicht nur den Kontakt zum anderen Teil zu ermöglichen, sondern es ist auch seine Pflicht diesen zu fördern. Verhindert oder unterbindet er jedoch, dass der andere Elternteil am Besuchstag des Kindes dieses treffen kann, verstößt er gegen seine Pflicht. Dieser sogenannte Umgangsboykott kann Folgen haben. Wenn z.B. ein Ausflug oder eine Urlaubsreise geplant war und nicht stattfinden kann, weil der Betreuungsberechtigte dieses verhindert, indem er z.B. nicht die Tür öffnet oder gegen Abmachung mit dem Minderjährigen verreist ist, kann dieser Schadenersatz fordern. Derjenige, der sich nicht an die Regeln gehalten hat, ist schadensersatzpflichtig. Wenn das Familiengericht eine Umgangsregelung festgelegt hat, kann ein Ordnungsgeld verhängt werden. Außerdem riskiert der Betreuungsberechtigte mit dem Umgangsboykott die Anordnung einer befristeten Umgangspflegschaft. Der Umgangspfleger hat das Recht, die Herausgabe des Kindes zu fordern, damit der Umgangsberechtigte die ihm zustehende Zeit mit seinem Nachkommen verbringen kann. Außerdem kann dies dazu führen, dass der Betreuungsberechtigte seinen nachehelichen Unterhalt verwirkt. Dies geschieht aber nur in Extremfällen, wenn z.B. der eine mit dem Sprössling absichtlich weit wegzieht. Wenn nach allen Maßnahmen keine Veränderungen eintreten, kann dem Elternteil der Kontakt zum Nachwuchs verwehrt werden.

Wie oft unter welchen Voraussetzungen und Umständen darf man seine Kind sehen?

Je nachdem, wie sich die Eltern nach der Scheidung einigen, kann es sein, dass der Minderjährige nur alle 14 Tage oder am Wochenende den anderen Elternteil sieht. Manche einigen sich darauf, dass der Wechsel jedes zweite Wochenende stattfindet. Hier gibt es keine Vorschriften. Bei kleinen Kindern sollten die Abstände der Trennung nicht zu groß sein, damit sie sich nicht vom anderen Elternteil entfremden.

Besonderheiten und Einschränkungen

Grundsätzlich gilt, dass der Elternteil, bei dem der Sprössling hauptsächlich lebt, mehr Zeit mit dem Nachwuchs verbringt, der andere muss Unterhalt zahlen. Auch wenn ein Elternteil nicht sorgeberechtigt ist, steht ihm das Umgangsrecht zu. Die durch den Kindsbesuch entstandenen Kosten trägt der umgangsberechtigte Elternteil selbst. Ist das Kind z.B. durch Krankheit am Wahrnehmen des Besuchstermins verhindert, sollten die Eltern regeln, wie sie die verpassten Termine nachholen können. Auch für Feiertage und Ferien sollten Regelungen getroffen werden, damit der Nachwuchs Zeit mit beiden Elternteilen verbringen kann.

12.09.2019
Umgangsrecht in Deutschland - Wann und wie oft darf ich mein Kind sehen?
Umgangsrecht in Deutschland - Wann und wie oft darf ich mein Kind sehen?
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