EXPERTENTIPP

Unterhaltsrecht bei volljährigen Kindern in Deutschland erklärt

Das Unterhaltsrecht erlischt nicht automatisch mit Vollendung des 18. Lebensjahres. Laut §1601 BGB sind die Eltern verpflichtet den Lebensbedarf ihres Kindes sicherzustellen, bis dieses in der Lage ist finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Das bedeutet, dass jedes Kind einen Anspruch darauf hat, dass seine Eltern ihm die schulische und berufliche Ausbildung (§1610 Abs. 2 BGB) finanzieren.
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Unterhalt für einen volljährigen Schüler

Wenn ein Volljähriger nicht verheiratet ist und zur Schule geht, hat er ein Recht auf Unterhaltszahlung. Die Höhe des Beitrags ist abhängig vom Einkommen der Eltern und berechnet sich wie bei einem minderjährigen Schüler nach der Düsseldorfer Tabelle, falls der Schüler bei einem der Elternteile im Haushalt lebt. Der Elternteil, bei dem der Schüler wohnt, kann die Unterkunft und Verpflegung mit der zu leistenden Unterhaltszahlung verrechnen. Falls der Schüler weder bei seinem Vater noch bei seiner Mutter lebt, kann er einen festen Bedarfssatz, der unabhängig vom Einkommen der Eltern ist, einfordern. Im Jahr 2018 lag dieser Bedarfssatz bei € 735,-, für den beide Elternteile gemeinsam aufkommen müssen.

Unterhaltsanspruch während des Studiums

Das Unterhaltsrecht im Studium ist identisch mit dem eines volljährigen Schülers. Grundsätzlich müssen die Eltern bis zum Ende der Studienzeit Unterhalt leisten. Im Gegenzug muss das Kind seine Eltern regelmäßig über seine Studienfortschritte informieren, so dass diese realistisch abschätzen können, wie lange sie noch zahlen müssen. Maßgeblich für die Länge der Unterhaltsverpflichtung ist die Regelstudienzeit. Die Eltern sind verpflichtet, den Master-Studiengang ihres Kindes zu finanzieren, wenn dieser in einem fachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem absolvierten Bachelor-Studiengang steht. Auch bei einem Studienfachwechsel, wenn dieser vor dem zweiten oder dritten Semester unternommen wird, verliert das volljährige Kind nicht seine Unterhaltszahlung. Sollte das Kind ein Auslandsstudium anstreben, müssen die Eltern es finanziell unterstützen, wenn sie es vorher so mit dem Kind abgesprochen haben. Wurde dieses Thema vorher nicht besprochen, sind die Eltern dennoch verpflichtet Unterhalt zu leisten, wenn die finanzielle Mehrbelastung wirtschaftlich zumutbar ist, der Auslandsaufenthalt sachlich begründet und sinnvoll ist, um das Studienziel zu erreichen, und wenn der zusätzliche Unterhaltsbedarf insgesamt angemessen ist. Im Falle eines Studienabbruchs müssen die Eltern das Kind für eine dreimonatige Übergangszeit finanziell unterstützen, so dass es genügend Zeit hat, sich auf eine angemessene Stelle zu bewerben.

Unterhaltsanspruch während der Ausbildung

Auch während der Berufsausbildung hat ein Kind einen Anspruch auf Unterhaltszahlung von Seiten seiner Eltern. Allerdings muss es sich seine Ausbildungsvergütung nach Abzug der Fahrtkosten anrechnen lassen. Analog zum Studienfachwechsel sind die Eltern weiterhin verpflichtet zu zahlen, auch wenn das Kind seinen Lehrberuf wechselt. Beginnt das Kind nach Abbruch seines Studiums eine Lehre, hat es ebenfalls weiterhin Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Nach erfolgreichem Abschluss einer ersten Berufsausbildung müssen die Eltern nur eine zweite Berufsausbildung finanzieren, wenn das Kind den Erstberuf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann.

Wie sieht die Rechtslage bei einem Gap-Year aus?

Plant das volljährige Kind nach Schulabschluss eine Weltreise, einen Au-pair-Aufenthalt oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, sind die Eltern grundsätzlich nicht unterhaltspflichtig. Ausnahmen bestehen nur, wenn das Freiwillige Soziale Jahr der Vorbereitung des angestrebten Studiengangs dient oder wenn sich das Kind im Rahmen eines Au-pair-Programms an einer Universität einschreibt.

12.09.2019
Unterhaltsrecht bei volljährigen Kindern in Deutschland erklärt
Unterhaltsrecht bei volljährigen Kindern in Deutschland erklärt
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