Rauchen im Auto lenkt vom Verkehr ab © Adobe Stock | Nenov Brothers

Rauchen im Auto – Wie ist die aktuelle Rechtslage in Deutschland?

Es ist unumstritten, dass Rauchen im Auto eine Gefahr für die Gesundheit darstellt, besonders Kinder belastet und vom Verkehr ablenkt. Dennoch gibt es in Deutschland bisher kein Rauchverbot im Auto. Dieses wird jedoch von mehreren Bundesländern gefordert und gilt bereits in vielen Nachbarländern.

Gibt es in Deutschland ein Rauchverbot im Auto?


‌Bisher ist Rauchen im Auto in Deutschland nicht verboten, obwohl dies nachweislich gesundheitsschädigend ist und außerdem vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Im Oktober 2019 hat der Bundesrat einen Entwurf zur Änderung des Bundesnichtraucherschutzgesetzes (BNichtrSchG) erlassen, der das Rauchen verbietet, wenn sich Kinder oder Schwangere im Auto befinden. 

‌Das Rauchverbot soll für geschlossene Fahrzeuge gelten, dort allerdings auch dann, wenn Fenster, das Schiebedach oder Türen geöffnet sind. Ausschließlich für Cabrios, deren Dach komplett geöffnet ist, soll eine Ausnahme gelten. In diesem Gesetzesentwurf werden Bußgelder von 500 bis zu 3.000 Euro für Verstöße gegen das Rauchverbot vorgesehen. Mit dem Gesetz sollen schutzbedürftige Minderjährige, schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder vor den Gefahren des Passivrauchens geschützt werden. Bisher steht eine Entscheidung des Bundestags über diesen Gesetzentwurf aus. Es ist nachvollziehbar, dass Passivrauchen im Auto sowohl für Kinder als auch für erwachsene Beifahrer besonders schädlich ist, weil sich der Rauch in einem relativ kleinen Raum sammelt. Daran ändern selbst heruntergelassene Seitenscheiben wenig.

Welche Folgen hat das Passivrauchen?


‌Die besonderen Gefahren des Passivrauchens für Kinder und Schwangere sind wissenschaftlich bestätigt. Nikotin und andere im Zigarettenrauch enthaltene Giftstoffe gelangen über das Blut der werdenden Mutter direkt zum ungeborenen Kind. Passivrauchen verursacht eine Mangelversorgung des Babys, sodass diese Kinder häufig mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht oder als Frühgeburt auf die Welt kommen. Im schlimmsten Fall verursacht der Sauerstoffmangel sogar eine Fehlgeburt. Außerdem ist mittlerweile ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Plötzlichen Kindstods und dem Passivrauchen belegt: Kinder, deren Eltern Raucher sind, haben ein höheres Risiko, am Plötzlichen Kindstod zu sterben. 

‌Doch auch nach der Geburt werden Kinder durch das Passivrauchen massiv beeinträchtigt, denn aufgrund ihrer schnelleren Atemfrequenz nehmen sie mehr Giftstoffe aus dem Zigarettenqualm auf. Erschwerend kommt hinzu, dass der kindliche Organismus diese Schadstoffe noch nicht so gut abbauen kann, weil die entgiftenden Organe noch nicht vollständig ausgereift sind. Passivrauchende Kinder sind anfälliger für Infekte der Atemwege, leiden oft unter Asthma, Schlafstörungen und bereits im Kindesalter unter hohem Blutdruck. Als Erwachsene haben diese Kinder ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sind in Deutschland über eine Million Minderjährige regelmäßig dem Tabakqualm im Auto ausgesetzt.

Rauchen im Auto gefährdet den Fahrer


‌Ein Rauchverbot im Auto würde auch den rauchenden Fahrer selbst schützen, denn das Anzünden der Zigarette lenkt gefährlich vom Straßenverkehr ab. Besonders heikel sind Situationen, in denen die Zigarette hinunterfällt und der Fahrer reflexartig reagiert. Leider passiert es immer wieder, dass dadurch schwere Unfälle verursacht werden.

Gefahren von E-Zigaretten


‌Das Rauchen von E-Zigaretten ist ebenfalls nicht verboten und gilt darüber hinaus als weniger gesundheitsschädlich. E-Zigaretten verursachen jedoch einen erheblichen Qualm, der dem Fahrer die Sicht nimmt. Kommt es dann zu einem Unfall, wird dem Fahrer ein Mitverschulden zur Last gelegt, das als grobe Fahrlässigkeit bewertet und entsprechend bestraft werden kann.

Wegwerfen von Zigarettenkippen aus dem Autofenster


‌Das Hinauswerfen von Zigarettenkippen ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von 50 Euro bestraft wird. Verursacht die glimmende Asche einen Brand wird die Ordnungswidrigkeit zur Straftat. Gleiches gilt, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer durch den Zigarettenstummel irritiert wird und es zu einem Unfall kommt. Besonders gefährdet sind Motorradfahrer, wenn die brennende Zigarettenkippe in den Helm gerät.

Wie sieht die aktuelle Rechtslage zum Thema Rauchverbot im Auto aus?


‌Ein Rauchverbot im Auto wird in Deutschland seit mehreren Jahren diskutiert. Es stellt sich die Frage, warum es so schwierig ist, Rauchen im Auto zu verbieten, obwohl die gesundheitlichen Gefahren und Risiken für den Straßenverkehr unbestritten sind. Das Auto ist jedoch ähnlich wie die Wohnung ein privater Raum und somit bewerten Kritiker des Rauchverbots dieses als unerlaubten Eingriff in die privaten Freiheitsrechte. Darüber hinaus wird der hohe, schwer zu bewältigende, Kontrollaufwand als Argument gegen ein Rauchverbot im Auto genannt. Ein Verbot des Rauchens in Anwesenheit von Kindern und Schwangeren wäre ein Kompromiss. Noch ist jedoch nicht abzusehen, wann sich der deutsche Bundestag mit der Gesetzesvorlage des Bundesrates beschäftigen wird Obwohl es in Deutschland kein Rauchverbot im Auto gibt, bedeutet dies nicht, dass dem Fahrer keinesfalls juristische Konsequenzen drohen. Das gilt insbesondere, wenn nach einem Unfall der Unfallhergang rekonstruiert und dabei das Rauchen als Unfallursache nachgewiesen wird. Wer sich während des Fahrens eine Zigarette anzündet, wird vom Straßenverkehr abgelenkt. Doch nicht nur beim Anzünden kann das Rauchen gefährlich werden. Wer in eine Gefahrensituation gerät und beide Hände benötigt, um diese zu bewältigen, ist durch das Halten der Zigarette nur noch eingeschränkt handlungsfähig. 

‌Eine weitere Situation, die zu Unfällen führen kann, ist das Reagieren auf eine heruntergefallene Zigarette oder heiße Asche. Wird dem Fahrer nachgewiesen, dass einer dieser Umstände vorlag, als der Unfall geschah, drohen juristische Konsequenzen. Der Fahrer muss sich dem Vorwurf der groben Fahrlässigkeit stellen.

Zahlt die Versicherung nach einem Unfall?


‌Wird der Fahrer nach einem Unfall der groben Fahrlässigkeit beschuldigt, hat das Auswirkungen auf die Haftung der Versicherung. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat der Versicherung Recht gegeben, die eine Schadensregulierung verweigerte, weil der Unfall dadurch verursacht wurde, dass der Fahrer eine Zigarette angezündet und deswegen die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hat (OLG Frankfurt, Az.: 23 U 108/94, Urteil vom 08.02.1995). Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Augenblicksversagen aufgrund einer Ablenkung vom Verkehrsgeschehen und die Vollkaskoversicherung muss den Schaden am Fahrzeug nicht bezahlen. 

‌Zum gleichen Ergebnis kam das Landgericht Lüneburg. Es sprach einen Fahrer, der sich nach einer heruntergefallenen Zigarette beugte und dabei einen Unfall verursachte, ebenfalls der groben Fahrlässigkeit schuldig. Die Versicherung musste den entstandenen Schaden nicht regulieren. (LG Lüneburg, 8 O 57/02). 

‌Auch die Kfz-Haftpflichtversicherung wird bei Unfällen, die aufgrund grober Fahrlässigkeit geschehen sind, Forderungen an den Fahrer stellen. Die Versicherung kann in diesem Fall bis zu 5.000 Euro Regress für die Regulierung von Schäden beim Fahrzeug des Unfallgegners fordern. Wenn Sie von Ihrer Haftpflichtversicherung in Regress genommen werden, sollten Sie umgehend Kontakt zu einem Rechtsanwalt aufnehmen. Der Rechtsexperte, der idealerweise auf Verkehrs- und Versicherungsrecht spezialisiert ist, wird die Umstände des Unfalls analysieren und Ihre Interessen gegenüber der Versicherung vertreten.

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Welche Strafen drohen bei einem Unfall mit Personenschaden?


‌Wird aufgrund des Rauchens im Fahrzeug eine grobe Fahrlässigkeit festgestellt, greift § 229 des Strafgesetzbuches (StGB).
Fahrlässige Körperverletzung
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‌Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Haftstrafen bis zu maximal sechs Monaten werden überwiegend in Geldstrafen umgewandelt. Die Höhe der Geldstrafe wird in Tagessätzen berechnet, die sich am Einkommen orientieren. Pro Monat Haftstrafe werden meist 30 Tagessätze Geldstrafe verhängt, die ungefähr einem Nettogehalt entsprechen. Außerdem kann der Geschädigte Schmerzensgeld einklagen. 

‌Noch gravierender sind die Strafen bei einer fahrlässigen Tötung, die gemäß § 222 StGB bestraft wird.
Fahrlässige Tötung 

‌Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Bei ungeklärten Unfallumständen sollte man in jedem Fall anwaltlichen Rat einholen, das gilt sowohl für den Unfallverursacher als auch für den Geschädigten und ist insbesondere dann unverzichtbar, wenn es zu Personenschäden kam.

In welchen Ländern ist Rauchen im Auto verboten?


‌In Deutschland gibt es bisher kein Rauchverbot im Auto. Andere Länder haben jedoch bereits auf die Gefahren reagiert, die vom Rauchen im Auto ausgehen. In einigen EU-Ländern und auch außerhalb Europas wird Rauchen im Auto, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, geahndet.

Österreich


‌In Österreich werden Wiederholungstäter besonders hart bestraft. Wenn man zum zweiten Mal des Rauchens im Auto im Beisein von Kindern überführt wird, folgt eine Geldstrafe von 1.000 Euro. Ersttäter müssen eine Verwaltungsstrafe von maximal 100 Euro bezahlen.

Frankreich


‌Wer in Frankreich dabei erwischt wird, in Anwesenheit Minderjähriger im Auto zu rauchen, wird mit einem Bußgeld von 68 Euro bestraft.

Belgien


‌In Belgien gilt ebenfalls ein Rauchverbot im Auto, wenn Minderjährige mitfahren und die Strafe beträgt mindestens 130 Euro. Ausnahmen gelten für Cabrios.

Italien


‌In Italien ist Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. Die Höhe der Geldstrafe orientiert sich dabei am Alter der Kinder. Sie müssen 500 bis maximal 5.000 Euro bezahlen, wenn eine Schwangere oder ein Kind unter zwölf Jahren betroffen ist. Fahren ältere Kinder und Jugendliche mit einem Raucher im Auto, wird dieser mit 250 bis 2.500 Euro zur Kasse gebeten.

Griechenland


‌Hier gilt ein Rauchverbot, wenn Kinder bis zu zwölf Jahren mitfahren. Zuwiderhandlungen werden mit einem Bußgeld von maximal 1.500 Euro bestraft. Rauchen in einem öffentlichen Verkehrsmittel im Beisein von Kindern kostet den Fahrer ebenso wie Passagiere bis zu 3.000 Euro und zusätzlich wird ein einmonatiges Fahrverbot verhängt.

Zypern


‌Auch in Zypern ist Rauchen im Auto in Anwesenheit von Kindern (bis zu 16 Jahren) verboten und wird mit einem Bußgeld von 85 Euro bestraft.

England und Wales


‌Rauchen im Beisein von Minderjährigen kostet 50 Pfund (ungefähr 56 Euro) Strafe. Einzige Ausnahme ist das Rauchen in einem offenen Cabrio.

Schottland


‌In Schottland dürfen weder Fahrer noch andere Passagiere im Fahrzeug rauchen, wenn Kinder unter 18 Jahren anwesend sind. E-Zigaretten sind vom Rauchverbot ausgenommen. Die Strafe beträgt 100 Pfund (ungefähr 112 Euro).

Irland


‌Wer im Auto im Beisein von Minderjährigen raucht, muss 100 Euro Strafe bezahlen. Die Strafhöhe kann bis zu 1.000 Euro gesteigert werden, wenn ein Haltesignal der Polizei missachtet wird. 

‌Des Weiteren gelten Rauchverbote bei Anwesenheit von Kindern in Australien, Südafrika, einigen US-Bundesstaaten und kanadischen Provinzen. In Polen und den Niederlanden wird, ähnlich wie in Deutschland, die Einführung eines Rauchverbots im Auto diskutiert.

Rauchen im Auto – Recht einfach erklärt

Gibt es ein Rauchverbot im Auto?

Bisher gibt es in Deutschland kein Rauchverbot im Auto, sondern lediglich eine Gesetzesvorlage des Bundesrats, die das Rauchen in Anwesenheit von Kindern und Schwangeren unter Strafe stellen will. 

‌Weiterlesen: Gibt es in Deutschland ein Rauchverbot im Auto?

Welche gesundheitlichen Folgen hat Rauchen im Auto?

Das Passivrauchen ist besonders für Kinder und Schwangere gesundheitsschädlich. Da sich der Rauch in einem kleinen Raum konzentriert, ist die Belastung durch Raucher im Auto besonders intensiv, denn es werden große Mengen der schädlichen Substanzen des Zigarettenrauchs eingeatmet. 

‌Weiterlesen: Welche Folgen hat das Passivrauchen?

Welche Risiken hat das Rauchen im Auto für den Fahrer?

Beim Anzünden der Zigarette oder wenn diese versehentlich herunterfällt, wird die Aufmerksamkeit abgelenkt und dadurch die Verkehrssicherheit gefährdet. Heruntergefallene Zigarettenkippen sind nicht selten Auslöser schwerer Unfälle, weil der Fahrer hektisch reagiert und die Kontrolle über das Auto verliert. 

‌Weiterlesen: Rauchen im Auto gefährdet den Fahrer

In welchen Fällen wird Rauchen im Auto bestraft, obwohl es kein Rauchverbot in Deutschland gibt?

Wird bewiesen, dass ein Unfall aufgrund des Rauchens im Auto verursacht wurde, kann dem Unfallverursacher grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Die Kasko-Versicherung wird in diesem Fall die Schadensregulierung verweigern und die Haftpflichtversicherung kann bis zu 5.000 Euro Regress für die Regulierung des Schadens beim Unfallgegner verlangen. 

‌Weiterlesen: Wie ist die aktuelle Rechtslage zum Thema Rauchverbot im Auto?

Welche juristischen Folgen hat ein Unfall mit Personenschaden?

Bei Personenschäden wird dem Fahrer fahrlässige Körperverletzung oder sogar fahrlässige Tötung vorgeworfen. In diesem Fall handelt es sich um eine Straftat, die mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet wird. Der Geschädigte kann außerdem Schadensersatz einklagen. 

‌Weiterlesen: Welche Strafen drohen bei einem Unfall mit Personenschaden?

Ist das Rauchen von E-Zigaretten im Auto weniger riskant?

E-Zigaretten verursachen noch mehr Qualm als konventionelle Zigaretten. Dies führt zu einer Einschränkung der Sicht und erhöht die Unfallgefahr. 

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Gibt es in anderen Ländern Rauchverbote im Auto?

Viele europäische Ländern haben bereits Verbote für das Rauchen im Auto erlassen, um Minderjährige und Schwangere zu schützen. Dort werden teilweise hohe Geldbußen erhoben. In Österreich zahlen Wiederholungstäter beispielsweise 1.000 Euro, in Griechenland 1.500 Euro und in Italien sogar bis zu 5.000 Euro. 

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