Rote Zahlen auf dem Kontoauszug: Mit dem Dispokredit lässt sich mehr Geld ausgeben, als auf dem Konto ist. © Adobe Stock | Tobif82

Was ist ein Dispokredit (Dispo)? Ist er gefährlich? – 7 Fragen

Das Girokonto zu überziehen, ist praktisch. Gleichzeitig kann es aber die finanziellen Probleme noch weiter verstärken. Ein Dispokredit kostet nämlich im Vergleich zu anderen Kreditarten am meisten. Finden Sie hier die 7 wichtigsten Fragen zum Dispokredit beantwortet.

Dispo: Was ist das?


‌Bei einem Dispositionskredit (kurz „Dispokredit“ oder „Dispo“) handelt es sich um einen Überziehungskredit. Mit ihm kann man beim Girokonto ins Minus gehen. Wegen der hohen Zinssätze, die oft im zweistelligen Bereich liegen, ist der Dispo der teuerste Kredit unter den Kreditarten.
Achtung:
Man sollte den Dispositionskredit nur zur Überbrückung verwenden. Also wenn man kurzfristig mehr Geld als gewöhnlich braucht.
Der Kreditrahmen für den Dispo beträgt meist 2-3 Monatsgehälter. Bleibt man in diesem Rahmen, zahlt man sogenannte „Dispo-Zinsen“. Gezahlt wird aber immer nur für den Betrag, mit dem man im Minus ist; nicht für den ganzen Disporahmen. Überzieht man den Disporahmen– also geht man über den eingeräumten Überziehungsrahmen –, fallen noch höhere Zinsen an. Die sogenannten „Überziehungszinsen“. 

‌Zurückgezahlt wird der Kredit mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto, bis das Minus wieder aufgefüllt ist. 

‌Beim Dispo handelt es sich um einen Kredit ohne Zweckbindung. Das heißt, man muss ihn nicht für eine bestimmte Anschaffung verwenden. Der Bank ist es also gleichgültig, wofür man das Geld aus dem Dispo verwendet. Man ist ihr keine Rechenschaft dafür schuldig (im Vergleich zu einem Autokredit o.ä.).
Hinweis:
Eine geläufige Bezeichnung für den Dispo (im Bankjargon) ist die „eingeräumte Kontoüberziehung“.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Dispokredit?


‌Der größte Vorteil des Dispokredits ist wohl, dass man mit ihm recht flexibel ist. Er ist schnell verfügbar, viele Banken vergeben ihn gern, da er ihnen viel Geld bringt. Das ist aber auch der größte Nachteil des Dispo: Er kostet sehr viel. 

‌Hier die wichtigsten Pro und Contra des Dispositionskredits auf einen Blick:

Vorteile des Dispo

  • Schnelle Verfügbarkeit: 
    ‌Die Bank kann den Dispokredit sofort freischalten, wenn sie ihn gewährt. Man muss ihn nicht extra per Kreditantrag beantragen. Der Überziehungsrahmen ist nach der Freischaltung sofort verfügbar.   
  • Zinszahlungen sind vom Kontostand abhängig: 
    ‌Je weniger man im Minus ist, desto weniger Dispozinsen zahlt man auch.    
  • Flexible Rückzahlung: 
    ‌Das ist ein Vor- und Nachteil zugleich. Es gibt keine Rückzahlungsraten, was einen Dispokredit sehr flexibel macht. Andererseits würden einen fixe Raten aber dazu drängen, das überzogene Konto schneller auszugleichen.   
  • Nachteile des Dispo

  • Sehr hohe Dispo-Zinsen: 
    ‌Dispozinsen von bis zu 14 % sind möglich. Die Banken haben keinen Referenzzinssatz, sie können die Zinshöhe selbst bestimmen.   
  • Sehr hohe Überziehungszinsen: 
    ‌Überzieht man den Dispositionskredit, fallen noch einmal Zinsen an, die noch höher sind als die Dispozinsen.   
  • Kurzfristige Kürzung oder Kündigung: 
    ‌Kreditinstitute können den Dispositionskredit ohne große Vorlaufzeit kündigen oder den Rahmen einschränken. Das kann dann passieren, wenn die Bonität des Dispo-Nehmers schlecht ist bzw. sich verschlechtert hat.   
  • Risiko einer weiteren Verschuldung: 
    ‌Da es keinen fixen Rückzahlungsplan gibt, kann man immer weiter ins Minus rutschen und sich immer weiter verschulden. Außerdem besteht die Gefahr, dass man das Girokonto überzieht, und es gar nicht einmal bemerkt. 

  • Wer kann einen Dispokredit beantragen?


    ‌Einen Dispositionskredit können Personen erhalten, die über 18 Jahre alt sind, regelmäßige Gehalts- bzw. Lohnzahlungen auf das Konto bekommen, eine ausreichende Kreditwürdigkeit (Bonität), eine gute Schufa-Bewertung sowie ein deutsches Girokonto haben. 

    ‌Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, gewährt grundsätzlich keine Bank einen Überziehungskredit. Im Bezug auf die Zahlungsfähigkeit gibt es noch folgendes wichtiges zu sagen: Die Schufa muss zwar gut sein. Aber: Die meisten Banken brauchen keine weiteren Sicherheiten vonseiten des Dispokredit-Nehmers. 

    ‌Der Grund: Sie haben in Regel einen Zugriff auf alle anderen Konten, die man sonst noch bei der Bank hat. Kann man den Dispositionskredit nicht mehr zurückzahlen, hat die Bank dann das Recht, ihn mit dem Geld auf den anderen Konten auszugleichen. Das nennt sich Pfandrecht.

    Was kostet ein Dispo?


    ‌Banken in Deutschland verlangen sehr hohe Zinsen für Dispokredite. Die Zinssätze betragen zwischen 4 und 14 % pro Jahr. Zinszahlungen fallen für jenen Betrag an, um den man das Girokonto überzogen hat. Die Berechnung erfolgt tageweise. Hat man einen Disporahmen, den man nicht nutzt, zahlt man auch keine Zinsen. 

    ‌Die Zinsen werden automatisch vom Girokonto abgebucht. Wann man die Zinsen bezahlen muss, kann von Bank zu Bank unterschiedlich sein. Manche Banken verrechnen die Zinsen monatlich, andere quartalsmäßig, wieder andere einmal pro Jahr. 

    ‌Die Dispozinssätze können sich verändern, weshalb eine regelmäßige Kontrolle dieser sinnvoll ist.
    Hinweis:
    Es empfiehlt sich auch, die unterschiedlichen Dispo-Konditionen der verschiedenen Banken zu vergleichen, um das für sich beste Angebot herauszufinden.

    Darf die Bank beim Dispo Gebühren verlangen?


    Nein, Banken und Sparkassen dürfen keine Bearbeitungsgebühren für die Kontoüberziehung verrechnen. Auch wenn diese Möglichkeit in den AGB steht, so ist sie ungültig. Es gibt immer wieder Fälle, in denen Banken unrechtmäßig Gebühren verlangen. 

    ‌Banken haben allerdings das Recht, höhere Zinsen zu verlangen, wenn Kunden ihren Dispositionskredit überziehen. Der Überziehungszinssatz ist daher meist nochmal höher als der Dispozins. Lesen Sie mehr dazu auch im Beitrag Kreditgebühren.

    Wie hoch ist ein Dispokredit?


    ‌Normalerweise geben Banken Überziehungskredite in der Höhe des 2- bis 3-fachen Nettoeinkommens des Kontoinhabers. Faktisch hängt das aber davon ab, welche regelmäßigen Konto-Eingänge man verzeichnet. Handelt es sich um einen Neukunden, kann der Überziehungsrahmen auch kleiner ausfallen.

    Wie kann ich den Dispokredit erhöhen?


    ‌Um den Kreditrahmen des Dispo zu ändern, muss man sich an die Bank wenden. Über den Bankberater oder bei manchen Banken auch im Online-Kabinett lässt sich dann ein höherer Dispokredit beantragen. Ob die Bank das zulässt, hängt davon ab, ob man ausreichend hohe Zahlungseingänge (z.B. Lohn oder Gehalt) bekommt.
    Hinweis:
    Ändert sich das monatliche Einkommen, so kann auch eine Erhöhung des Überziehungskredits möglich werden.

    Welche Alternativen gibt es zum Dispo?


    ‌Gute Alternativen zum Dispositionskredit sind zum Beispiel ein Rahmenkredit oder eine Kreditkarte. Wer sich länger und mit einer hohen Summe im Dispositionskredit befindet, sollte über eine Umschuldung nachdenken. Mit diesen Optionen steigt man eigentlich immer günstiger aus als mit dem Überziehungskredit.
  • Rahmenkredit: 
    ‌Ein Rahmenkredit funktioniert so ähnlich wie ein Dispokredit. Die größten Unterschiede zum Dispo: Man zahlt weniger Zinsen, man muss ihn extra beantragen und man hat eine fixe Rückzahlungsvereinbarung; das heißt, die Rückzahlung muss regelmäßig erfolgen. Wie auch beim Überziehungskredit gibt es bei dieser Kreditform keine Kreditlaufzeit.   
  • Kreditkarte: 
    ‌Der Vorteil von Kreditkarten: Es gibt einen Verfügungsrahmen, der jedes Monat neu ausgeschöpft werden kann. Zum Beispiel 3.000 Euro monatlich. Für diesen Betrag zahlt man keine Zinsen. Alle Transaktionen werden dann gesammelt und einmal im Monat vom Girokonto abgebucht. Im Vergleich zum Dispokredit ist das eine gute Möglichkeit, um kurzfristig finanzielle Engpässe zu überstehen.   
  • Umschuldung: 
    ‌Wer sich über längere Zeit im Minus befindet, der sollte vielleicht seinen Dispokredit umschulden. Einfach gesagt, bedeutet das: Man nimmt einen Kredit auf, um den Überziehungskredit „abzulösen“, also zurückzuzahlen. Allerdings hat der neue Kredit einen besseren Zinssatz als der Dispo. Vorteilhaft ist in der Regel auch, dass man den Kredit in fixen Raten (Ratenkredit) zurückzahlt, was zu einer konsequenteren Schuldentilgung führt. 
  • Auf Rechnung zahlen oder Ratenkredit: 
    ‌Verzögert man die Zahlung, kann man möglicherweise vermeiden, dass man ins Minus geht. Es kann sich also anbieten, eine Rechnung in Raten zu bezahlen.  
  • Achtung:
    Wer auf Raten zahlt, bekommt dafür einen etwas schlechteren Schufa-Score. Denn immer wenn man etwas auf Rechnung kauft, geht man damit einen Kredit ein. Daher ist es wichtig, nicht zu viele Ratenzahlungen einzugehen und die Raten immer fristgerecht zu bezahlen.

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    ‌ 
  • Dispokredit – Recht einfach erklärt

    Was ist ein Dispokredit einfach erklärt?

    Ein Dispokredit ermöglicht es, das Girokonto zu überziehen. Dafür verlangen Banken aber häufig extrem hohe Zinsen, die zwischen 4 und 14 % betragen können. Der Dispo-Rahmen ist meist 2-3 Monatsgehälter hoch. Er ist eine praktische Lösung für Notfälle, längerfristig jedoch gefährlich. 

    ‌Weiterlesen: Dispo: Was ist das?

    Wie schlimm ist es im Dispo zu sein?

    Der Dispositionskredit kann zu einer Schuldenfalle werden, wenn man ihn langfristig und mit einer höheren Summe belastet. Einen Überziehungskredit sollte man nur im Notfall verwenden. Beispielsweise, wenn man eine hohe Rechnung zahlen muss, mit der man nicht gerechnet hat. 

    ‌Weiterlesen: Welche Vor- und Nachteile hat ein Dispokredit?

    Ist ein Dispokredit sinnvoll?

    Ein Dispositionskredit macht für die kurzfristige Überbrückung eines finanziellen Engpasses Sinn. Er ist durch die einfache Beantragung und die fehlenden Rückzahlungsraten äußerst flexibel. Diese Flexibilität hat aber auch ihren Preis: Der Dispositionskredit ist mit Abstand der teuerste Kredit, mit Zinssätzen im oft zweistelligen Bereich. 

    ‌Weiterlesen: Welche Vor- und Nachteile hat ein Dispokredit?

    Wer bekommt keinen Dispo?

    Es kann nicht jeder ins Dispo gehen. Unter 18-Jährige, Personen ohne Hauptwohnsitz in Deutschland, solche ohne regelmäßiges Monatseinkommen sowie Menschen mit schlechtem Schufa-Eintrag oder Schufa-Score bekommen keinen Dispokredit. 

    ‌Weiterlesen: Wer kann einen Dispokredit beantragen?

    Wird bei einem Dispo die Schufa abgefragt?

    Ja, es kommt zu einer Schufa-Abfrage, bevor ein Dispositionskredit gewährt wird. Denn die Banken wollen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man den Dispo zurückzahlen kann. Wie die finanzielle Lage der betreffenden Person aussieht, erfahren die Banken über die Schufa oder eine andere Auskunftei. 

    ‌Weiterlesen: Wer kann einen Dispokredit beantragen?

    Kann ich den Dispokredit überziehen?

    Grundsätzlich ja. Das hängt im Einzelfall aber von der betreffenden Bank ab. Für die Überziehung des Dispositionskredits fallen Überziehungszinsen an. Diese sind noch einmal höher als die Dispozinsen. Wer den Dispositionskredit überzieht, kann auch eine Kündigung riskieren. 

    ‌Weiterlesen: Was kostet ein Dispo?

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