Frau und Kind bei Hausteilung nach Scheidung

Ehevertrag und Haus: Alles auf einen Blick

Das Gesetz regelt die Vermögensaufteilung an sich fair. Ein Ehevertrag kann aber trotzdem Sinn machen. Er macht das Scheidungsverfahren berechenbarer – das Noch-Ehepaar weiß somit bereits vor der Scheidung, wie die Dinge um das Vermögen stehen. Warum machen im Ehevertrag Regelungen zum Haus Sinn? Welche Vereinbarungen über das Haus oder andere Immobilien kann ich darin treffen? Lesen Sie alles zum Thema in diesem Beitrag. 

1 Ehevertrag und Haus – Recht einfach erklärt


  1. Ist ein Haus vorhanden, macht ein Ehevertrag häufig Sinn. In ihm kann man verschiedene Regelungen zu Immobilien treffen. Weil das Haus ein sehr wertvoller Vermögensgegenstand ist, kommt es bei einer Scheidung oft zum Streit darüber.
  2. Mit einem Ehevertrag ist es möglich, den gesetzlichen Güterstand zu ändern. Das geht mit einer Gütertrennung, einer Gütergemeinschaft oder einer modifizierten Zugewinngemeinschaft. Somit kann ein Zugewinnausgleich mit Haus verhindert werden.
  3. ‌Die Gütertrennung und die Gütergemeinschaft haben einen Nachteil für das Erbrecht: Die durch den Tod eines Ehegatten entstehenden Erbschaftsanteile müssen versteuert werden.
  4. ‌Beim Hausrat unterscheidet man zwischen Alleineigentum und gemeinschaftlichem Gut. Alleineigentum ist alles, was man selbst gekauft hat. Gemeinschaftliches Gut ist jenes, das man gemeinsam in der Ehe verwendet. Im Ehevertrag kann man regeln, wer welche Hausratsgegenstände bekommt.

2 Haus und Immobilie: Häufiges Streitthema in der Ehe


‌In einem Ehevertrag kann das Ehepaar außergerichtlich regeln, was mit dem Haus im Falle einer Scheidung oder beim Tod eines Ehepartners geschehen soll. Da es sich bei einem Haus oder einer anderen Immobilie meist um einen sehr wertvollen Vermögensgegenstand handelt, sind Streits bei der Scheidung nicht selten. Mit einem Ehevertrag aber kann man das Konfliktpotential bei der Scheidung verringern. Der Ehevertrag wird ja nicht im Scheidungsprozess abgeschlossen, sondern vor oder während der aufrechten Ehe: Somit werden wichtige Vermögensfragen bereits im Vorhinein beantwortet.

‌Das gesetzlich festgelegte Verfahren der Vermögensaufteilung sieht für die Ehezeit eine Zugewinngemeinschaft (§1363 BGB) vor. Endet die Ehe, kommt es zum sogenannten „Zugewinnausgleich“. Im Ehevertrag kann man die Güterstände Gütertrennung, Gütergemeinschaft oder einen modifizierten Zugewinnausgleich vereinbaren. Welche Auswirkungen die Güterstände auf das Haus haben, lesen Sie im nächsten Absatz.

3 Welche Auswirkungen hat der Güterstand auf das Haus?


3.1 Zugewinnausgleich und Haus


‌Wenn Sie keinen Ehevertrag abschließen, dann greift das geltende Familienrecht. Damit nehmen Sie die gesetzliche Regelung des Zugewinnausgleichs automatisch in Anspruch. Der Zugewinnausgleich besagt: Das Vermögen, das die Ehepartner in der Ehezeit angesammelt haben, wird bei einer Scheidung miteinander verglichen. Hat ein Ehepartner während der Ehe eine höhere Vermögenssumme erwirtschaftet, muss er den Vermögensüberschuss mit dem anderen Ehepartner teilen. Der Zugewinn, in diesem Fall das Haus, wird also ausgeglichen.

‌Eine Ausnahme vom Zugewinnausgleich bilden Erbschaften und geschenkte Vermögensgegenstände. Bei Erbschaften oder geschenkten Vermögensgegenständen wird nur die etwaige Wertsteigerung der Immobilie ausgeglichen.
Beispiel:
Der Ehemann kauft sich vor der Scheidung ein Haus um 500.000 Euro. Weil er das Haus während der Ehe erworben hat, zählt es zum Zugewinn. Außer des Hauses hat er keinen Zugewinn. Angenommen, die Ehefrau machte während der Ehe keinen Zugewinn, weil sie sich um die Kinder kümmerte und nicht erwerbstätig war. Dann muss ihr der Ehemann die Hälfte des Hauswerts (250.000 Euro) auszahlen. Er bleibt aber Alleineigentümer des Hauses.

Beispiel:
Der Ehemann erbt kurz nach der standesamtlichen Heirat ein Haus im Wert von 400.000 Euro. Er ist Alleineigentümer. Aufgrund der hervorragenden Lage hat das Haus bei der Scheidung einen Wert von 410.000 Euro. Neben der Wertsteigerung vom Haus machte er einen Zugewinn von 20.000 Euro. Seine Ehefrau erwirtschaftete keinen Zugewinn, weil sie zu Hause bei den Kindern war. Folglich muss der Ehemann der Ehefrau 15.000 Euro Zugewinnausgleich zahlen. Die Wertsteigerung wird im Zugewinnausgleich berücksichtigt.

Beispielrechnung

 20.000
‌-10.000
‌30.000 Zugewinn / 2 = 15.000 Euro Ausgleichzahlung an die Ehefrau

‌Erfahren Sie alles zum Zugewinnausgleich.

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3.2 Modifizierte Zugewinngemeinschaft und Haus


‌Normalerweise wird also der gesetzliche Zugewinnausgleich durchgeführt. Bei einer individuellen Regelung zu einer Immobilie, bietet sich ein Ehevertrag an. Ein Ehevertrag gibt die Möglichkeit, den Zugewinnausgleich zu beschränken oder gänzlich auszuschließen. Dabei sind verschiedene Varianten denkbar. Man kann zum Beispiel vereinbaren, dass der Wertzuwachs einer Immobilie vom Zugewinnausgleich ausgeschlossen wird.

‌Alle Details, die Sie über den Güterstand „Zugewinnausgleich“ wissen sollten, lesen Sie im eigenen Artikel – „Zugewinnausgleich & Zugewinngemeinschaft“.

3.3 Gütertrennung und Haus


‌Eine weitere Alternative zum Zugewinnausgleich ist die Gütertrennung. Im Ehevertrag kann man vereinbaren, dass während und nach der Ehe jeder Ehepartner Herr bzw. Herrin über sein Vermögen bleibt. Dabei ist es egal, zu welchem Zeitpunkt der Vermögensgegenstand erworben wurde: Jeder bleibt Alleineigentümer seines Vermögens. Vermögensrechtlich verhält es sich also bei einer Gütertrennung so, als wären die Ehepartner nicht verheiratet.
Achtung:
In Sachen Haus kann die Gütertrennung von Fall zu Fall abweichen. Der Hausrat bzw. das Haus oder die Wohnung selbst zählen zum Vermögen, das Teil der Ehegemeinschaft ist. Im Zweifelsfall legt das Gericht fest, wer im Haus weiterhin wohnen darf, da es sich um eine sehr existentielle Angelegenheit handelt. Ist zum Beispiel ein Ehepartner sehr auf den Verbleib im Haus angewiesen, weil er z.B. die Kinder betreut und kein Einkommen hat, kann das Gericht entscheiden, dass dieser Partner im Haus wohnen bleiben darf. Auch wenn ein Ehepartner zwar nicht Miteigentümer des Hauses ist, aber am Hausbau maßgeblich beteiligt war, kann ihm ein Teil des Hauses zustehen. Er hat dann Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.
Die ehevertragliche Vereinbarung der Gütertrennung bringt erbrechtliche Nachteile mit sich. Stirbt ein Ehegatte in einer aufrechten Ehe mit Gütertrennung, erbt der überlebende Ehegatte nur ein Viertel des Hauses. Würde der gesetzliche Zugewinnausgleich durchgeführt, erbt der überlebende Ehegatte die Hälfte. Ein weiterer Nachteil: Die Erbschaft aus einer Gütertrennung muss versteuert werden. Die Erbschaft aus einem Zugewinnausgleich hingegen nicht.
Hinweis:
War ein Ehepartner maßgeblich am Hausbau – finanziell oder unentgeltlich – beteiligt, hat er normalerweise Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich. Auch wenn eine Gütertrennung besteht, kann das Gericht einen Ausgleich veranlassen. Wer eine andere Regelung will, sollte diese im Ehevertrag festlegen. Lassen Sie sich am besten von einem Fachanwalt beraten.

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3.4 Gütertrennung und Hausrat


‌Beim Hausrat ist zwischen Alleineigentum und gemeinschaftlichem Gut zu unterscheiden. Alleineigentum ist in der Regel alles, was ein Ehepartner alleine erworben hat. Zum gemeinschaftlichen Gut zählen Gegenstände, die beide Ehepartner erworben haben; oder Gegenstände, die zwar ein Ehepartner erworben hat, aber von beiden Ehepartnern verwendet werden. Beispiele hierfür: Auto, TV, Möbel, Waschmaschine und Küchenmaschine.

‌Im Ehevertrag kann das Ehepaar regeln, wer welche Hausratsgegenstände bei der Scheidung erhält oder behält. Denn auch bei der Gütertrennung ist das Gericht darauf bedacht, den Hausrat etwa hälftig auf die Ehepartner aufzuteilen.

3.5 Gütergemeinschaft und Haus


‌Einigt sich das Ehepaar im Ehevertrag auf eine Gütergemeinschaft, wird das Vermögen des Einen mit dem des Anderen gleichsam zusammengeschweißt. Das gilt für das Haus, den Hausrat sowie für jegliches andere Vermögen.

‌Ausgenommen von der Gütergemeinschaft ist das „Sondergut“ (§1417 BGB). Zum Sondergut zählen zum Beispiel Gesellschaftsanteile, Nutzungsrechte bzw. Nießbrauchrechte (z. B. wenn Eltern ihr Haus zu Lebzeiten an die Kinder übertragen) sowie (unpfändbare) Unterhaltsansprüche.

‌All die Vermögensgegenstände, die jeder einzelne Ehegatte für sich behalten will, werden als sogenanntes „Vorbehaltsgut“ (§1418 BGB) deklariert. Dieses Vorbehaltsgut wird im Ehevertrag festgehalten. Das verhindert, dass jeglicher Besitz nach aufgelöster Ehe beiden Ehegatten gehört. Nicht selten führt die Gütergemeinschaft zu heftigem Streit, weshalb diese Form von Güterstand in Deutschland unpopulär ist.

4 Vereinbarungen im Ehevertrag zum Wohnrecht


‌Sind beide Eheleute im Grundbuch als Hausbesitzer angeführt, kann sich die Gütertrennung schwierig gestalten. Beide haben Anspruch darauf, weiterhin im Haus zu bleiben. Das gemeinsame Wohnen nach der Scheidung würde sich aber schwierig gestalten.

‌In einem solchen Fall sollten die Partner mit Ehevertrag klären, wie sie vorgehen möchten. Eine Möglichkeit wäre, dass der Partner, der in der Wohnung bleibt, den anderen „auszahlt“. Der ausziehende Ex-Ehegatte bekommt dann eine gewisse Summe ausbezahlt (zum Beispiel für die neue Mietwohnung), weil er nicht im gemeinsamen Haus wohnen bleibt. Oder: Angenommen, der im Haus bleibende Ex-Partner ist nicht der Eigentümer des Hauses. Dann könnte er die Hälfte des Hauses abkaufen.

‌Kommt das Ehepaar zu keinem Kompromiss, entscheidet das Gericht bzw. es kommt zu einer Teilungsversteigerung. Bei einer solchen Versteigerung ist der Verkaufspreis der Immobilie üblicherweise sehr niedrig im Vergleich zum Verkaufspreis, der bei einem normalen Verkauf erzielt würde. Ein Ehevertrag erscheint in diesem Fall klug, um finanzielle Verluste vorzubeugen.
Hinweis:
Sobald ein Ehepartner Miteigentümer eines Hauses wird, gehört ihm logischerweise ein Teil vom Haus. Derjenige Ehepartner, der ursprünglich Alleineigentümer des Hauses war, verliert dadurch seine Alleineigentümerschaft. Weil das weitreichende Folgen mit sich zieht, sollte dieser Schritt gut überlegt sein.

5 Weitere Regelungen im Ehevertrag zu Haus und Wohnung


‌Im Allgemeinen gibt es eine ganze Reihe an Dingen, die im Ehevertrag zur Vorbeugung von Problemen und Unstimmigkeiten in Sachen Haus, Wohnung, Grundstück und mehr festgelegt werden können.

5.1 Haus verkaufen, wenn Kinder volljährig


‌Um das Wohlbefinden der Kinder zu sichern, kann man ehevertraglich regeln, das Haus erst dann zu verkaufen, wenn sie volljährig sind. Oft wird vereinbart, dass die Erziehungsberechtigten bis zum Zeitpunkt der Volljährigkeit der Kinder in diesem Haus das Wohnrecht besitzen.

5.2 Wohnrecht für Partner im Grundbuch festhalten


‌Der Gestaltungsspielraum im Ehevertrag lässt zum Beispiel auch folgende Regelung zu: Für einen Ehegatten wird im Grundbuch ein Wohnrecht für die Wohnimmobilie festgelegt. Kommt es schlussendlich zur Scheidung und zum damit manchmal einhergehenden Rosenkrieg, wurde bereits eine Regelung diesbezüglich getroffen. Das Ehepaar spart sich somit möglicherweise weiteren Streit.

‌Das bedeutet auch, dass das Haus vom Verkauf ausgeschlossen ist, solange das Wohnrecht für den Ehegatten besteht. Nur wenn im Ehevertrag etwas anderes vereinbart wird, kann das Haus verkauft werden. Das Paar sollte auch vereinbaren, wer die Kosten für Unterhaltung und Instandhaltung übernimmt.

5.3 Mitwirkungspflicht bei Verkauf der Immobilie


‌Im Ehevertrag lässt sich auch vereinbaren, dass im Falle einer Scheidung beide Ehegatten bei der Veräußerung der Immobilie mitwirken müssen. Mit anderen Worten: Beide haben sich um den Verkauf zu bemühen. Hintergrundgedanke einer derartigen Regelung ist es, eine Teilungsversteigerung zu vermeiden. Bei einer solchen Versteigerung – auch Auseinandersetzungsversteigerung genannt – wird die Immobilie normalerweise weit unter dem Marktpreis verkauft. Einem gravierenden finanziellen Verlust kann hierbei mit einem Ehevertrag vorgebeugt werden.

5.4 Abmachungen zum Miteigentumsanteil


‌Man kann auch regeln, dass einer der Ehegatten Alleineigentümer der Wohnimmobilie wird. Für die Übertragung des sogenannten „Miteigentumsanteil“ von einem Gatten an den anderen wird üblicherweise eine Gegenleistung vereinbart.
Beispiel:
Svenja willigt ihrem Mann Thorsten ein, ihn zum Alleineigentümer des Hauses zu machen. Im Gegenzug dafür verlangt sie von ihm die Begleichung aller auf dem Haus liegenden Schulden. Darüber hinaus hat Svenja die Möglichkeit eine Abfindung in Anspruch zu stellen. Die Höhe der Abfindung errechnet sich folgendermaßen: Der Wert des Hauses abzüglich der Schulden wird halbiert und an Svenja ausbezahlt.

6 Ehevertrag und Haus – Häufig gestellte Fragen

Was kann man im Ehevertrag zum Haus regeln?

Im Ehevertrag wir der Güterstand geregelt. Die Güterstände sind: Gütertrennung, Gütergemeinschaft oder modifizierte Zugewinngemeinschaft. Der vereinbarte Güterstand hat maßgeblichen Einfluss darauf, was mit dem Haus bei einer Scheidung geschieht.

‌Weiterlesen: Was kann man im Ehevertrag zum Haus regeln?

Was passiert beim Zugewinnausgleich mit dem Haus?

Endet der gesetzliche Güterstand „Zugewinngemeinschaft“ wird nur der Wertzuwachs des Hauses während der Ehe ausgeglichen. Man kann den Wertzuwachs der Immobilie auch vom Zugewinnausgleich ausschließen. Das bezeichnet man dann als „modifizierte Zugewinngemeinschaft“.

‌Weiterlesen: Was passiert beim Zugewinnausgleich mit dem Haus?

Was passiert bei Gütertrennung mit dem Haus?

Die Gütertrennung bestimmt, dass jeder Ehepartner Alleineigentümer seiner Vermögensgegenstände ist – auch nach Scheidung. Hat sich aber ein Ehepartner entgeltlich oder unentgeltlich am Haus beteiligt (z.B. bei einer Renovierung), hat er Anspruch auf eine Ausgleichszahlung bei Scheidung. Die Gütertrennung hat erbrechtliche Nachteile.

‌Weiterlesen: Was passiert bei Gütertrennung mit dem Haus?

Was passiert bei Gütergemeinschaft mit dem Haus?

Bei der Gütergemeinschaft gehört jegliches während der Ehe erworbene Vermögen beiden Ehegatten. Dazu kann auch ein Haus gehören. Nach der Scheidung müssen die Ex-Ehegatten das sogenannte „Gesamtgut“ gemeinschaftlich verwalten. Kann sich das Ehepaar darüber nicht einigen, müssen sie das Haus in einer Teilversteigerung öffentlich versteigern.

‌Weiterlesen: Was passiert bei Gütergemeinschaft mit dem Haus?

Welche Vereinbarungen zum Wohnrecht sind im Ehevertrag möglich?

Die Partner können vereinbaren, dass derjenige, der in der Immobilie wohnen bleibt, den anderen „auszahlt“. Ist die in der Wohnung bleibende Person nicht Eigentümer des Hauses, könnte sie dem ausziehenden Partner die Hälfte abkaufen. Bei einer Entscheidung sollte auch berücksichtigt werden, ob Kinder vorhanden sind.

‌Weiterlesen: Welche Vereinbarungen zum Wohnrecht sind im Ehevertrag möglich?

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